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Sliden und Grinden im alten Trier

Die Konstantin-Basilika, Denkmal der Antike,  ist ein Ort der Begegnung. Damals wie heute. Auch für die Jugend Triers, die sich da gerne, oft und regelmäßig zum Skaten zusammenfindet. Sie hat es geschafft, sich als junge Szene in der ältesten Stadt Deutschlands zu etablieren - entgegen vieler Vorurteile.

 

Untersuchungen zeigen, dass  Sportarten, die ihren Platz außerhalb des klassischen Vereinslebens haben, immer größeren Zuspruch bei der jüngeren Generation finden. Innerhalb von zehn Jahren sank die Vereinszugehörigkeit unter Jugendlichen von 60 auf 40%. Gleichzeitig stieg die Zahl derer, die sagen, sie seien sportlich aktiv - aber nicht im Verein,  um 25 %. Zu begründen ist dies u.a. damit, dass Zeiten spontaner und flexibler festgelegt werden können und man wirklich nur dann "trainiert" wenn man Lust dazu hat. Dies gilt auch für die Skater.


Die Avantgarde der Funsport-Szene

Von Trend kann man hier schon lange nicht mehr sprechen: Skater sind fester Bestandteil eines neuen, sehr stark subjektbezogenen Sportverständnisses - die Avantgarde der Funsport-Szene. Die entsprechende Infrastruktur schaffen sie sich selbst, in dem sie z.B. Treppen und Geländer als "Curbs" und "Ledges" zweckentfremden. Gemeint sind Kanten aus Beton, Metall oder Holz, die sich zum Rutschen und Schleifen eignen, in der Fachsprache "Sliden" und "Grinden" genannt.
Auf vielen öffentlichen Plätzen wie dem Trierer Basilika-Vorplatz haben sie ein neues sportliches Betätigungsfeld gefunden und geben ihnen dadurch auch ein besonderes Flair. Ohne Skater wären dies oftmals tote Zonen.

Kampf um Akzeptanz und Toleranz

Dies sehen allerdings nicht alle so, denn was in der Jugendkultur als "radikales Experiment des Daseins" gilt, überschreitet in der Welt vieler Erwachsener oft die soziale Akzeptanz. Dies zeigt sich z.B. anhand empörter Leserbriefe in der Lokalzeitung  "Trierischer Volksfreund". Da heißt es, die Plätze würden systematisch ruiniert, Treppenstufen "abgeschliffen". Schmierereien und Abfälle würden zurückbleiben, die auf Kosten der Anlieger beseitigt werden müssten. Touristen und Gottesdienste würden gestört.
Axel Reichertz vom "Zupport Skate & BMX-Shop"  versucht, diese Vorurteile zu widerlegen. Als einer der  Köpfe hinter www.trier-skateboarding.com portraitiert der  ehemaliger BMX- und Skate-Profi die Szene, informiert über aktuelle - teilweise selbst organisierte - Events und versucht, die Akzeptanz der Trierer Skate-Szene zu festigen und auszubauen.

"Welcome to our world"

Reichertz Partner Alex Schmitz hat unlängst mit "City Games" eine äußerst sehenswerte DVD realisiert. Die selbst vertriebene DVD gibt einen guten Einblick in die Künste und das Lebensgefühl der Trierer BMX- und Skateboard-Fahrer. Auch Passanten kommen zu Wort und äußern sich überwiegend positiv, wenn nicht sogar begeistert von den Darbietungen der Rollbrettfahrer.

Durch den Film versteht man, was Reichertz meint, wenn er sagt, dass Skaten nicht nur Sport, sondern eher Lifestyle und Lebenseinstellung ist. Was er als Fotograf (www.axellens.com) auf der Suche nach tollen Motiven verinnerlicht hat, lässt sich auch für das Skaten nutzen: Man entwickelt die Fähigkeit, sich seinen Lebensraum kreativ anzueignen, sieht vieles in ganz anderem Kontext. Eine Treppe ist nicht bloß eine Treppe, ein Geländer dient nicht mehr nur zum Festhalten.

Verschmolzene Kulturen

Heimlicher Hauptdarsteller des Films neben all den talentierten Jungs auf zwei bis vier Rollen ist die Basilika, der Szene beliebtester Spot. Dass diese beiden Pole, tradierte Bauten und frischer Lifestyle, mit Einweihung des Basilika-Vorplatzes vor 18 Jahren inzwischen zu einer Einheit verschmolzen sind, findet seinen Höhepunkt in einem limitierten "Deck" (das ist der Body des Skateboards ohne Rollen, Anm. d. Red.), dessen Motiv die Trierer Basilika zeigt, welche in der Szene liebevoll nur Basi genannt wird.

Ein eigenes Denkmal

Schmitz und Reichertz waren übrigens auch stark in die Planung und den Bau des Skateparks auf dem Petrisberg integriert, der  den Jugendlichen nun unter professionellen Bedingungen die Möglichkeit gibt, ihre Leidenschaft in ihrem ganz eigenen Bereich auszuüben. Durch regelmäßige Skate-Contests wird die Trierer Skate-Szene nun auch über die Ländergrenzen bekannt. Oft kommen junge Menschen aus den Nachbarregionen um hier ihre Künste zu zelebrieren und auszufeilen.

Jetzt fehlt der Szene nur noch eine Skatehalle, damit sie sich zukünftig auch wetterunabhängig treffen kann. Leider scheint die Realisation aufgrund politischer und finanzieller Probleme noch in weiter Ferne.

Wie auch immer sich  alles weiterentwickelt, spätestens seit dem Bau des Skateparks, einem Denkmal unserer Zeit,  sind die "Basi-Skater" aus Trier nicht mehr wegzudenken.

 

Thorsten Schneeweis